Press

Mar.24th,2010
An der Belastungsgrenze
Neues Deutschland
von Anouk Meyer
Anne Wodtcke in der Galerie en passant
Klack, klack, klack: Rhythmisch hallt der Sound eines kippelnden Holzhockers durch die kleine Galerie en passant. Der Blick des Besuchers wandert auf der Suche nach der Geräuschquelle automatisch zur Empore, wo sich ein Video als Urheber entpuppt. Darin balanciert die Performancekünstlerin Anne Wodtcke minutenlang auf einem umgedrehten Hocker, kippelt und wackelt und erzeugt so das andauernd klackernde Geräusch.
»how long (is) now«, was man mit »wie lange (ist) jetzt« oder »wie lange noch« übersetzen könnte, heißt die Ausstellung, in der die Münchner Künstlerin erneut Alltagsgegenstände auf ihre Belastbarkeit untersucht, wobei sie auch den eigenen Körper einsetzt. Nachdem sie vor zwei Jahren viel mit einfachen braunen Papiertüten arbeitete, experimentiert sie nun mit Lkw-Reifenschläuchen sowie den erwähnten Holzhockern. In ihren Performances schafft sie vor den Augen der Zuschauer zeitlich begrenzte Skulpturen und dokumentiert diese per Foto, Dias oder Videos. Dabei gilt ihr Interesse weniger dem Objekt an sich, sondern vielmehr dem Prozess, der zwischen und mit Dingen und Menschen stattfindet. Wenn man auf dem großen Bildschirm sieht, wie sie mit ihren beweglichen Händen und Füßen auf den starren Hockerbeinen balanciert und das Möbel zum Wackeln bringt, beeindruckt vor allem der Kontrast zwischen Geschmeidigkeit und Masse, lebendem Körper und totem Objekt; andererseits hat das störrische Geklacker auf Dauer auch einen nervtötenden Effekt.
Unter den drei Videos, die in Dauerschleife auf der Empore laufen, ist auch eines, in dem Anne Wodtcke auf aufgepumpten Reifenschläuchen herumspringt, bis im wahrsten Sinne des Wortes die Luft raus ist. Das Material liegt auf dem Boden der Galerie herum, ebenso zwei der Hocker, die die Künstlerin bei der Eröffnung benutzte. Weitere Performances hat die Künstlerin per Fotoapparat dokumentiert: Ein großes Foto zeigt sie, wie sie, in einen Lkw-Reifen geschmiegt, eine Auffahrt in Pittsburgh entlang rollt, im Nebenraum laufen drei Diashows, in denen die gebürtige Berlinerin und Wahlmünchnerin auf und an einem Hocker herumturnt bzw. an, auf und vor einem großen verschnörkelten Holzsarg posiert – sitzend, stehend, turnend, kauernd. »restless«, also ruhelos, nennt sie diese Aufnahmen, die in ihrer Unruhe an Filmausschnitte erinnern, in denen ein Zeitraum des Wartens und der Langeweile verdeutlicht werden soll. Für Liebhaber museal dokumentierter Performances haben diese Aufnahmen sicher ihren Reiz, alle anderen sollten bis zur Finissage am 26. März ab 19 Uhr abwarten, um Anne Wodtcke live zu erleben. Ein Videoscreening mit anschließender Diskussion zum Thema Performance, Körper, Markt und Öffentlichkeit schließt sich am 27.März ab 19 Uhr an, außerdem gibt es am 27. und 28.3., jeweils von 10 bis 17 Uhr, einen Workshop zum Thema mit abschließender Performance am Sonntag.
http://www.neues-deutschland.de/artikel/167750.an-der-belastungsgrenze.html
Mar.20th,2010
Körperkunst
Tagesspiegel
von Christiane Meixner
Ein Workshop
Im Rahmen der Ausstellung „how long (is) now?“ von Anne Wodtcke findet in der Galerie en passant (Brunnenstr. 169) vom 26. bis 28. März ein Wochenende zum Thema Performance statt. Während der Finissage am Freitag wird dort ab 19 Uhr die Performancegruppe White Market, zu der neben Wodtcke zwei weitere Künstlerinnen gehören, ihr Konzept vorstellen. Dem Trio geht es dabei um performative Aktionen im alltäglichen Umfeld und mit einfachsten Materialien, in deren Verlauf temporäre Kunsträume entstehen. White Market thematisiert die Auseinandersetzung von Künstlern mit dem Markt, Performance-Kunst als Ware und dem eigenen Körper als „Material“. Die folgenden zwei Tage stehen im Zeichen eines Workshops in der Galerie (jeweils 10–17 Uhr) und einer abschließenden Performance am Sonntag. Die Teilnahme am Workshop kostet 60 Euro, informieren und anmelden kann man sich per E-Mail unter anne.wodtcke@t-online.de oder telefonisch bei der Künstlerin unter 0172-7029418.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/art772,3061493
Mar.05th,2010
Anne Wodtcke "how long (is) now ?"
monopol online
Anne Wodtcke beschäftigt sich auch in ihren aktuellen Arbeiten mit ephemeren, manchmal vor den Augen des Zuschauers oder unter Mitwirkung des Ausstellungsbesuchers entstehenden Skulpturen, die sie meist per Foto oder Video dokumentiert. Von ihr bevorzugte künstlerische Werkstoffe sind - neben dem bereits bekannten Papier und dem eigenen Körper - einfache Gebrauchsgegenstände wie Stühle, Sockel oder Reifenschläuche von LKWs. Dabei gilt ihr Interesse nicht dem Objekt an sich oder seiner individuellen Erscheinungsform sondern vielmehr dem Prozess, der zwischen und mit den Dingen und Menschen stattfindet. Auf konzeptuelle und spielerische Weise wird hier das Thema Skulptur gänzlich neu erfasst. Die Verschränkung von Raum-Körper und Körper-Raum ist neben Massigkeit, Instabilität und Labilität ein weiterer Aspekt, der an dem neuen Material besonders fasziniert.

Die Künstlerin verleiht dem scheinbar wertlosen Material auf diese Weise eine neue Wertigkeit und Bedeutung und konfrontiert uns zugleich mit seiner gewohnten Konnotation. Im Zeitalter zunehmender Virtualität rückt Anne Wodtcke mit ihren temporären Skulpturen und performativen Interventionen auch den Körper wieder in unser Bewusstsein. Neben der `Rückführung der Skulptur ins Menschliche´ ergeben sich somit in Anne Wodtckes aktuellen Arbeiten vielfältige Bezüge zu gegenwärtigen kulturellen Phänomenen: visueller Konsum und reduzierte Wahrnehmung, Virtualität und Entwertung, Dinghaftigkeit und Körperlichkeit werden kritisch reflektiert.
http://www.monopol-magazin.com/termine/berlin-galerie-en-passant-anne-wodtcke
Jan.28th,2010
Pulsmesser
Zitty 03-2010
von Regina Lechner
Willkommen in der Brunnenstraße, mit all ihren Galerien und Projekträumen zwischen Ein-Euro-Läden, Mitte-Cafés und einem Haus, das bis Dezember noch selbstverwaltetes Hausprojekt war. In dieser Straße eröffnete Maud Piquion ihre Galerie mit einem ungewöhnlichen Debut: sie zeigte Arbeiten von Künstlern, die in den benachbarten Galerien vertreten waren. Das war rund vor einem halben Jahr.
Zwei der Galerien, mit denen Piquion zusammenarbeitete, gibt es bereits nicht mehr. So vielen Galerien, wie wegen der preiswerten Mieten hierher gezogen sind, so viele sind auch wieder gegangen, Goff + Rosenthal etwa und Komet. Klara Wallner zog nach Kreuzberg, Roger Sonnewald (Galerie J.J. Heckenhauer) in den Tübinger Hauptsitz zurück, die Galerie Conrads aus Düsseldorf verließ die Hauptstadt 2008. Während Sonnewald meint, der südliche Teil der Straße habe sich gut entwickelt, zeigt sich Helga Weckop-Conrads enttäuscht: "Anfangs waren wir sehr zufrieden, dort war viel los. Doch es ist alles sehr touristisch geworden, und die Konkurrenz nahm zu."
Neulinge dagegen schwärmen. Die Galerie Koch Oberhuber und Wolff haben sich hier ein radikal modernes haus bauen lassen. "Sehr positiv", sagt Maud Piquion über ihren Start, "Super glücklich" ist Seraphina Lenz von opbo, und über eine "spannende Mischung" freut sich Ralf Hänsel von 401 contemporary. Obwohl die billigen Mieten passé sind, wie die Galerien sagen, spricht niemand von Konkurrenz. Die Betreiber der Galerie en passant haben sogar die Internetseite www.brunnenstrasse.net gegründet. Sie steht allen Nachbarn offen, die Ausstellungen ankündigen wollen.
Sep.27th,2009
Berlin Brunnenstraße - Quelle der Kunst
ZDF heute - TV
3-minütiger Fersehbeitrag über den Galeriestandort Brunnenstraße
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/849938?inPopup=true
Aug.28th,2009
Wandel in der Brunnenstraße
Berliner Zeitung
von Eva Dorothée Schmid

Das Haus von Jürgen soll abgerissen werden, er soll ausziehen, obwohl er schon seit Jahrzehnten darin wohnt. Gerd muss seine Buchhandlung wegen zu hoher Miete und zu wenigen Kunden schließen. Rabbiner Kern kümmert sich um den Aufbau seiner Gemeinde und die Musikschüler des Carl-Philip-Emanuel-Bach-Gymnasiums proben für ein Konzert: Das Leben in der Brunnenstraße in Mitte läuft seinen gewohnten Gang. Zugleich ist die Veränderung des Kiezes allgegenwärtig. Überall wird gebaut, Galerien schießen aus dem Boden, außerdem hippe Friseure.
Jürgen, Gerd und Rabbiner Kern sind die Protagonisten eines Dokumentarfilms über die Brunnenstraße in Mitte. Maria Mogren lebt seit sieben Jahren dort und hat viele Veränderungen mitbekommen. Die 31-jährige Schwedin aus Göteborg, die seit 1996 in Berlin wohnt, hat im vergangenen Jahr ein Dokumentarfilmstudium in Schweden absolviert, als Abschlussprojekt hat sie einen Film über die Brunnenstraße gedreht. "Ich wollte das festhalten, was verloren geht", sagt die Filmemacherin.
Zwei Monate lang drehte sie im Winter zusammen mit ihrem Freund in der Straße, allerdings nur in dem Teil, der zu Mitte gehört. "Sonst wäre es zu viel geworden", sagt Mogren. Auch die Galerie en Passant kommt in dem Film vor. Betreiberin Dorothea Schutsch machte Mogren den Vorschlag, den Film dort erstmals in Deutschland zu zeigen. Am Sonnabend und Sonntag gibt es nun jeweils um 21 Uhr eine Vorstellung des 45-minütigen Films in der Galerie in der Brunnenstraße 169. "Ich freue mich, dass ich den Film im Kiez zeigen kann und hoffe, dass einige von denen kommen, die auch im Film vorkommen", sagt Maria Mogren. Der Eintritt ist frei.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0828/berlin/0059/index.html
Aug.26th,2009
Neues aus der Kunstwelt Berlins
TIP Berlin
[...]
Die schwedische Filmemacherin Maria Mogren drehte Anfang dieses Jahres einen Dokumentarfilm über die Berliner Brunnenstraße und deren Geschichte, Anwohner und Gewerbetreibende. Den fertigen Film zeigt sie nun in zwei exklusiven Vorführungen in der Galerie EnPassant, Brunnenstraße 169, Mitte, Sa 29.8. und So 30.8., jeweils ab 21 Uhr. [...]
http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit-kunst-und-museen/neues-aus-der-kunstwelt-berlins-1
Jul.24th,2009
Malerei: Von wegen Sommerloch
PRINZ Berlin 08/2009
Künstlerische Vielfalt in der Galerie en passant.

Manchmal schwappt er absichtlich etwas Kaffee über das Bild, an dem er gerade arbeitet. Norman Sandlers Bilder (Foto) sind aufwändige Geflechte tagtäglich auf uns hereinströmender Motive, die er zu geschichten verdichtet. Nun will er sommerliche Bilder zeigen, gemeinsam mit weiteren Künstlern der Galerie. In Venedig sucht Christine Keruth, während Uschi Krempel Strukturen findet und Martina Reichelt die Bewegungen ihres Tanzes festhält. kg
Jun.25th,2009
Ein Bild von einem Bezirk
Berliner Zeitung
Jörg Schmiedekind fotografiert den Alltag in seiner Neuköllner Nachbarschaft
Carmen Böker
Dieser Himmel: farblos, transparent - und dabei zugleich schwer wie Blei. Die diffuse, leicht depressive Lichtstimmung ist eine Berliner Eigenheit, die auch die Aufnahmen des Architekten Jörg Schmiedekind prägt. Er fotografiert an tristen Tagen, gern auch gleich im Grau der Regenschleier, um allen Akzentuierungen zu entgehen; in seinen Bildern soll kein Aspekt durch differenziertes Licht oder unterschiedliche Schärfen besonders hervortreten. Alles ist gleich wichtig und möglichst wenig subjektiv bei seinem strikt dokumentarischen Ansatz. Eine seiner Innenstadt-Serien, die nun in der Galerie en passant gezeigt werden, widmet sich dabei dem ohnehin nicht durch Postkartenidyllen dargestellten Neukölln.
Zwischen Dezember 2007 und April sind die Aufnahmen entstanden, als Streifzüge vor der eigenen Haustür in einem Bezirk, dem entweder - je nach Straßenzug - die rasante Gentrifizierung oder aber der baldige gesellschaftliche Untergang prophezeit wird. Um "so etwas wie Kunst- und Kulturleben jenseits der Altberliner Eckkneipe" oder soziale Fragen geht es Schmiedekind, wie zu erwarten war, allerdings nicht: Mit dem Blick des Architekten analysiert er die Bebauung und die von ihr geschaffenen Stadträume, die Ideen der Planer und die Versuche der Bewohner, sich darin einzurichten. Dazu gehört auch ein besonderer Fokus auf "Utensilien wie Schilder, Ampeln, Leuchten, Verteilerkästen, Poller, Autos, Werbung etc." - inklusive kreativer Plakatverschönerungen, als ein Beispiel für das Besondere im Banalen. (cab.)
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0625/kunstkonzerte/0083/index.html
Jun.11th,2009
Mannheim, Düsseldorf, Berlin: Three exhibits in Germany presenting Architecture Photography
deconarch.wordpress.com blog
Neues aus der Welt der Galerien:
Drei Fotoausstellungen in ganz Deutschland zeigen Architekturfotografien.


Jörg Schmiedekind: Neukölln – Stadtfotografie
12.06.2009 – 18.07.2009
Jörg Schmiedekind, ausgebildeter Architekt, arbeitet seit 2005 verstärkt auch als Fotograf. Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Alltäglichen, Banalen, nicht dem Spektakulären und Besonderen.

“Mir geht es um die Darstellung alltäglicher Orte und ihrer Brüche. Dabei bediene ich mich der Stilmittel der Dokumentarfotografie – wohl wissend, dass Bildausschnitt und Bildaufbau immer eine subjektive Aussage darstellen.”
In der Serie “Neukölln” (entstanden zwischen Dezember 2007 und April 2008) tut Schmiedekind eben dies: Er spürt dem Berliner Stadtviertel nach – fernab von Schlagzeilen und Schreckensnachrichten. In sorgfältig gestalteten Bildern konzentriert den Blick auf die Bebauung und den von ihr geschaffenen Stadtraum, zeigt Schilder, Ampeln, Leuchten, Verteilerkästen, Poller, Autos, Werbung etc. Durch die körperliche Abwesenheit der Menschen beginnen die Dinge für sich selbst zu sprechen.

Herausgelöst aus dem Alltag werden die alltäglichen Innenstadtlandschaften so zu Bühnenbildern, in denen das soziale Leben geschieht. Ob Wechselwirkungen zwischen Bühnenbild und den meist nicht sichtbaren Akteuren bestehen, bleibt dem Betrachter überlassen.
Dementsprechend ist alles im Bild gleich wichtig, die diffusen Lichtverhältnisse sind bewusst eingesetzt:Nicht um eine bestimmte Stimmung zu schaffen; vielmehr wird durch unterschiedliche Schärfe oder differenziertes Licht nicht akzentuiert oder betont.

ROBERT HÄUSSER . DIE BERLINER MAUER . Fotografien und Zitate
7. Juni 2009 – 24. Mai 2010
Museum Zeughaus C5 I Forum Internationale Photographie
[...]

Vom Innen und Außen.
Fotoarbeiten von Wolfgang Lüttgens und Thomas Strogalsk
05. Juni bis 01. August 2009
www.epson-kunstbetrieb.de Düsseldorf
[...]
http://deconarch.wordpress.com/2009/06/11/mannheim-dusseldorf-berlin-three-exhibits-in-germany-presenting-architecture-photography/
Jun.01st,2009
Sehenswerter Alltag
BVG plus_06 -2009
Christian Piepert
Der Künstler Jörg Schmiedekind präsentiert Stadtlandschaften aus Neukölln
Der Alltag ist sehenswert.
Nach diesem Motto unternimmt der Fotograf und Architekt Jörg Schmiedekind Streifzüge durch Neukölln. Die Ausbeute seiner fotografischen Wanderungen präsentiert er nun der Öffentlichkeit in einem Buch, das 75 Bilder enthält.
Das künstlerische Konzept, das Schmiedekind dabei verfolgt, ist für den noch nicht eingeweihten Betrachter eventuell erklärungsbedürftig. Schmiedekind interessiert sich weder für touristische Schnappschüsse noch für Postkartenmotive. Stattdessen lichtet er die Alltagsumgebung ganz nüchtern dokumentarisch ab.Was andere beim Fotografieren ausblenden, integriert er in seine Bilder und stellt es häufig sogar in den Mittelpunkt: Schilder, Ampeln, Papierkörbe, Plakate, Bushaltestellen oder U-Bahneingänge.
Jenseits von Brandenburger Tor und Siegessäule zeigt Schmiedekind Alltagsecken mit ihrer Patina, die auch zu einer Großstadt gehören. Er hat sich hierzu einen Bezirk ausgesucht, der in den letzten Jahren eher in Negativ-Schlagzeilen geraten ist: Neukölln. Seine Foto-Touren unternimmt der 46-Jährige meist am frühen Morgen, wenn die Straßen noch menschenleer und keine Autos unterwegs sind. So kann sich der Blick ohne Ablenkung auf die Dinge richten. Was dabei herauskommt, sind Bilder, die eine Metropole mit all ihren Brüchen abbildet. Schmiedekind schafft mit seinen Bildern derart neue Perspektiven, dass der Betrachter glaubt, die Stadt, – obwohl sie ihm vielleicht vertraut zu sein scheint –, zum ersten Mal zu entdecken.
Am 12. Juni, 19 Uhr eröffnet Jörg Schmiedekind in der Galerie en passant in der Brunnenstraße 169 seine Neukölln- Ausstellung mit einer Vernissage. Dort hat auch sein Bildband „Neukölln. Stadtlandschaftsbilder aus dem Innenstadtbereich des Berliner Bezirks Neukölln“ Premiere (45 Euro).
../downloads/plus_06_BVGschmiedekind.pdf
Apr.01st,2009
Camera Obscura Activa:
TIP 08-09
Fotografie Workshop
Der Künstler Matthias Hagemann drückt jedem Teilnehmer in seinem Workshop eine Camera Obscura in die Hand, die damit während einer gemeinsamen Tour durch Mitte selbst fotografiieren können.
Hagemann erklärt dabei den Hobby-Fotografen die selbstgebaute Kamera. Der Workshop ist Teil der Hagemann-Ausstellung "Langsame Fotografie", die noch bis 11. April in der Galerie en passant läuft.
http://www.boxocam.de/publikationen/TIP08-09CameraObscuraActiva-klein.jpg
Jan.15th,2009
Das geheime Leben eines Cafés - Menschenleere Malerei von Dorothea Schutsch
Berliner Zeitung
Kein einziger Gast schlürft hier seinen Cappuccino oder zerkrümelt sein Croissant: Die Malerin Dorothea Schutsch zeigt den Raum eines Cafés mit ihrer aktuellen Bildserie menschenleer: Die Gemälde erscheinen in aller Stille zu vielschichtigen, zart abgestuften, mitunter fast wie schraffierten Strukturen erstarrt. Sie sind ohne jeden grellen Effekt und, wie die Künstlerin betont, ohne gesellschaftlich relevante Konzepte, dafür allerdings ganz der stimmigen Komposition überlassen.

Dennoch lassen sich überall Spuren lesen: Ein schräg stehender Sessel beispielsweise erzählt vielleicht von einem überhasteten Aufbruch, zwei zusammengeschobene Stühle von einem vertraulichen Gespräch. Ein großes Fenster lässt über den ganzen Tag immer wieder sich veränderndes Licht ins Café fallen, damit verwandeln Architektur und Mobiliar sich zu fast planen Farbflächen und lassen der realistischen, gegenständlichen Wiedergabe eine abstrakte Dimension zukommen: wie eine Metapher ihres Eigenlebens. (BLZ)

Vernissage am Freitag, 16. 1., ab 19 Uhr in der Galerie en passant, Brunnenstraße 169/ Mitte, Tel. 70 22 12 18. Die Ausstellung ist bis zum 21. Februar Di-Fr 14-18, Sa 12-16 Uhr geöffnet. Künstlergespräch am 14. Februar um 16 Uhr.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0115/kunstkonzerte/0088/index.html
Nov.20th,2008
Kunstauktion zu Gunsten von Elledorado e.V.
www.creativeface.net - magazine
Tom Felber für creative face Magazin

"Vielfalt leben - Diskriminierung bekämpfen", dies ist das Motto von elledorado e.V.. Der lesbisch-schwule Förderkreises elledorado e.V. in Berlin unterstützt Projekte, die lesbische, schwule und transidente Lebenswelten positiv darstellen, sichtbarer machen und somit Ausgrenzung entgegenwirken. Seit der Gründung im Jahr 1998 hat elledorado e.V. eine Vielzahl von sozialen und kulturellen Projekten mit Berlinbezug mit insgesamt mehr als 120.000 Euro unterstützen können. Dazu gehören renommierte Kulturveranstaltungen wie der TEDDY AWARD, der schwul-lesbischen Filmpreis der Berlinale ebenso wie kleinere, innovative Projekte, wie zum Beispiel die Unterstützung von GLADT e.V. - Gays & Lesbians aus der Türkei, die der gesellschaftlichen Diskussion neue Impulse geben.

Bereits etabliert in der zehnjährigen Geschichte von elledorado e.V. ist die Kunstauktion zu Gunsten der guten Sache. Sie findet diesmal am 10. Dezember 2008 um 19:30 Uhr in der Berlinischen Galerie, einem der jüngsten, experimentierfreudigsten und vielgestaltigsten Museen der Hauptstadt, unter Leitung der Auktionatoren Ansgar Heickmann und Jarl Kremeier statt. Prominente Schirmherren der Veranstaltung sind die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im Deutschen Bundestag, Renate Künast, der Berliner Senator a.D. und Vorstand der ALBA AG, Peter Kurth sowie der Fernsehmoderator Harald Pignatelli.

Die zur Versteigerung anstehenden Kunstwerke wurden von Künstlern, Sammlern und Galerien gespendet. Besonders tatkräftig beim Sammeln geholfen haben in diesem Zusammenhang die Galerien Berlin Mitte. Eine Jury, bestehend aus Dr. Thomas Köhler (stv. Direktor Berlinische Galerie), Ingolf Kern (stv. Chefredakteur MONOPOL), Cornelia Wichtendahl (Galerien Berlin Mitte), Andrea Winter (Siegessäule) und Achim Drucks (FRONT), wählte aus allen offerierten Arbeiten 59 für die Auktion aus, die in der Galerie lorch+seidel contemporary in der Tucholskystr. 38 in Berlin-Mitte bis zum 26. November vorbesichtigt werden können. Wer dies nicht schafft, kann sie sich auch auf der Website http://www.elledorado.de/ ansehen und dort auch gleich ein schriftliches Gebot abgeben.
http://www.elledorado.de/presse/creativeface.net_1108.pdf
Nov.01st,2008
Der Wegweiser zum Kunstherbst
Tour Mitte II
TIP extra 23-08

Brunnenstraße und Torstraße sind die legitimen Nachfolger der Auguststraße. Hierher verschlägt es zumeist junge Galeriegründer.
[...]
05 Galerie en passant
Im Rahmen des 3. Europäischen Monats der Fotografie vier künstlerinnen und Künstler ausgestellt, die Fotografien von stadträumen präsentieren. "Ex Berlin" ist eine fotografische Auseinandersetzung mit mit Raum und Geschichte und zeigt vom ehemaligen Berliner grenzstreifen, dem Abriss des Palastes der Republik und anderen Motiven die Verbundenheit von Stadt, Architektur und Fotografie.
[...]
Nov.01st,2008
Monat der Fotografie
SCHAULUST UND ENTDECKERFREUDEN
PRINZ Berlin
Von wegen, Herbst ist trübe: Kulturell ist gerade der November der absolute Wonnemonat. So, wie sich vier Fotografen der Galerie en passant - darunter Alexandra Schraepler [Foto] - für ihre nächste Schau durch urbane räume bewegen, sollten nun auch alle sonstigen Fotobegeisterten losmarschieren und die Museen- und Galerienszene der Stadt erkunden. Mehr als 130 Ausstellungen formen den "Monat der Fotografie", erste Höhepunkte wie Helmut R. Schulzes "Afghanistan - Reisen hinter den Horizont" im Deutschen Historischen Museum oder André Kertész in der galerie Berinson laufen bereits. "Noch nie gesehen" ist das Motto des opulenten Bilderreigens, der nun zum dritten Mal in Berlin stattfindet. Mit gleich drei Schauen wird am 1.11. der Fotografiemonat in der berlinischen Galerie offiziell eröffnet, die Uferhallen im Wedding ziehen als zweiter zentraler MdF-Ort am 8.11. nach.
detaillierte Infos unter www.mdf-berlin.de
../downloads/PrinzNovember08.pdf
Oct.20th,2008
Galerien - ex Berlin
Brennpunkt 04/2008
Die Gruppenausstellung präsentiert fotografische Arbeiten von vier KünstlerInnen der Galerie en passant, die auf unterschiedliche Weise Bilder von Stadträumen freilegen. Ausgangspunkt der Fotoarbeit von Matthias Hagemann [Bild] ist der ehemalige Grenzstreifen in Berlin, wo er mittels einer Camera obscura und den damit verbundenen minutenlangen Belichtungszeiten die Raum- und Zeitdimensionen durchbricht. Auch Sabine Wild widmet sich einem politischen Stadtraum – ihre digital nachbearbeiteten Aufnahmen vom Abriss des Palasts der Republik lassen von dem symbolhaften Bau nichts als ein Raumskelett übrig. Jörg Schmiedekind [Bild] dagegen hält bei seinen fotografischen
Streifzügen durch die Stadt alltägliche Orte fest, die übersehen werden, da sie jeglicher Bedeutsamkeit entbehren und von banalen Zeichensystemen überlagert sind. Alexandra Schraepler verarbeitet Reproduktionen von Architekturaufnahmen mit Realitätsausschnitten und verschränkt diese medialen und realen Räume zu neuen Bildwelten auf der fotografischen Ebene.
../downloads/brennpunkt04-2008.pdf
Oct.10th,2008
Anne Wodtcke| sculpture is (e)motion | galerie en passant | 10/08
Berliner Kunstkontakter :: mobil, modern, metropolitan ART TV
Berlin weekly No. 41

Der Berliner Kunstkontakter Konstantin Schneider besuchte
die Vernissage von Anne Wodtcke in der Galerie en passant.

Mit
- Ausschnitten der AKTION sculpture is (e)motion mit Anne Wodtcke und Ruth Geiersberger,
- Rundgang durch die Ausstellung.

http://www.berlinerkunstkontakter.de/flash/kw4108/enpassant10102008.htm
Jun.15th,2008
Prinz Tipp: Ausstellung MALEREI Norman Sandler
PRINZ Berlin

Er sammelt Bilder für Geschichten, die der Betrachter selbst
konstruieren muss. "Ich inszeniere nur ein Angebot", sagt der
26-Jährige über seine Kunst, für die er den Begriff
"Ikonotektonik" kreiert hat. Es geht um Bewegung,
Überlagerung, Perspektive - mittels Bildern, die jeder kennt.
Weil sie Szenen aus Film, Fotografie und Kunstgeschichte oder
eben Alltägliches zitieren. Der gehört beobachtet! KG Bis 15.6.,
Galerie "en passant", Brunnenstr. 169, Mitte, Di-Fr 14-18, Sa
12-16 Uhr
http://berlin.prinz.de/kultur/kulturplaner/402433,1,EventSchedule,malerei-norman-sandler.html
May.20th,2008
Norman Sandler | Ikonotektonik | galerie en passant | 05/08
Berliner Kunstkontakter :: mobil, modern, metropolitan ART TV
Berlin weekly No. 20

Der Berliner Kunstkontakter Konstantin Schneider besuchte
die Vernissage von Norman Sandler in der Galerie en passant.

Mit
- Rundgang durch die Räume,
- Impressionen der Ikontektonischen Arbeiten von Norman Sandler
http://www.berlinerkunstkontakter.de/flash/kw2008/enpassant16052008.htm
May.16th,2008
Kaffee ist gemalte Poesie - Heute bittet Norman Sandler zur Vernissage mit Musik in die Berliner Galerie en passant
Märkische Allgemeine Zeitung
Von Karen Grunow

BERLIN/HENNIGSDORF - In der Ecke sitzt eine Braut in ausladendem Kleid, der Strauß scheint ihr aus der Hand zu gleiten. Kindersoldaten. King Kong. Ein Möbelstapel. Sperrmüll, mag eine schnelle Assoziation sein. „Der aktuelle Ikea-Katalog“, sagt Norman Sandler da und lacht. Die Bilder, die er kombiniert – komponiert – finden ihre Aussage stets beim Betrachter. Sandler selbst gibt Interpretationswege nicht vor, er bietet nur die Möglichkeiten für ganz eigene Versionen des eigentlich doch so subjektiv Erzählten. Was er schafft, soll bei den anderen Geschichten auslösen, vermeintlich angedeutete und doch von jedem ganz individuell empfundene. Darin sind „viele Geschichten als Potential enthalten“, sagt er. „Ich inszeniere nur ein Angebot“ – denn: „Die Geschichte beginnt hier erst, sich zu artikulieren“. Heute eröffnet der 26-Jährige in der Berliner Galerie „en passant“ um 19 Uhr eine Ausstellung mit neuen Arbeiten, für die er den Begriff „Ikonotektonik“ kreiert hat. Bewegungen, Überlagerungen, graphisch-perspektivische Elemente aus Bildern, die jeder kennt – weil die Motive populär sind oder weil Sandler sie nutzt, um Alltägliches zu zitieren.
Er findet diese Bildvorlagen in Zeitungen oder im Internet, auch eigene Fotos verwendet er für seine Arbeiten, von denen er selbst sagt, dass sie eine poetisch-erzählerische Ebene ansprechen können. „Ich pause die Bilder ab. Man soll ruhig das eine durch das andere sehen“, erzählt er. Mittlerweile hat er einen großen Bilderfundus gesammelt, von Reiterstandbildern oder Vanitas-Stillleben etwa, nicht immer sieht er gleich, was er daraus entwickeln könnte. „Manchmal erhalten banale Dinge eine ungeheure Sprengkraft“, er deutet auf Kinderdarstellungen, ein lachendes Mädchen mit verbundenen Augen und einer Spielzeugknarre in der Hand, das auf ein Kind im Faschingskostüm zielt. In Modekatalogen und Anzeigen entdeckt. Dabei geht es ihm nicht um additives, eher um ein ästhetisches Zusammensetzen einzelner Komponenten.
Vor genau einem Jahr präsentierte sich der junge Künstler erstmals in der Produzentengalerie, die er gemeinsam mit anderen Künstlern betreibt. Nach der Schau damals hat er für sich festgestellt, „das geht so nicht weiter“. Man sollte das, was man kann, ab und an über Bord werfen und sich neu orientieren. „Schon dass ich auf Papier umgestellt habe, hat meiner Arbeit gut getan.“
„Ich habe festgestellt, dass die Kunst das ist, wofür ich da bin.“ Langsam tastet er sich nun an den Kunstmarkt heran. Noch ist seine Arbeit „an die normalen Lebensprozesse angeschlossen“, das Suchen und Finden läuft nebenher, aber irgendwie dennoch permanent. Das eigentliche Arbeiten findet bei ihm auf einer, wie er es beschreibt, subjektiv-emotionalen Ebene statt. Jeden Tag versucht er, etwas zu tun, in einem seiner Werke kann trotzdem am Ende schon mal ein ganzer Monat Arbeit stecken. Eines der neueren Werke hat er während des Gestaltungsprozesses zweimal zerstört und neu zusammengefügt. Vieles deutet auch ihn selbst im Arbeitsprozess an: Da sind schon mal Spuren einer ausgedrückten Zigarette. „Trinke ich Kaffee, kriegt auch das Bild einen Schluck.“
Das Gespür für Bilder habe er in seinem Kunsttherapie-Studium entwickelt. „Gerade auch das für szenische Bilder.“ Wie bestellt steht da grad eine ältere Frau vor der Galerie, hält ihre voluminöse Strickjacke hoch. Wie sie sich da so selbstvergessen sortiert, „das ist doch ein tolles Bild“, ist Norman Sandler sofort begeistert.
Die Ausstellung ist bis zum 15. Juni zu sehen. Die Galerie „en passant“ befindet sich in der Brunnenstraße 169 in Berlin-Mitte. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 12 bis 16 Uhr.

../downloads/MAZ_08_NormanSandler.pdf
Apr.26th,2008
Prinz Tipp: Kunst - Sabine Wild Fotografie
PRINZ Berlin

Kürzlich war sie in Venedig. Fotografierte die Stadt, wie sie seit einiger Zeit andere Orte und auch Landschaften aufnimmt - indem sie die auf ein Stativ montierte Kamera während des Auslösens bewegt, vertikal oder horizontal. Jene Stadt, längst von zigtausenden Fotografenaugen abgescannt, die ihr nichts Neues abtrotzen können, wird in Sabine Wilds Fotografien plötzlich doch ganz anders wahrgenommen. Fragmentarisch. "Das Wasser aber", erzählt sie, "wird dann auf einmal ganz ruhig." Dieses Spiel mit dem Wasser hat sie auch bei einigen ihrer New-York-Bilder ausgenutzt. Bei diesen allerdings tauchen die Bewegungsunschärfen zugleich horizontal und vertikal auf. Jenes Gebäude hier, das wirkt wie der Glaspalast von Richard Rogers am Potsdamer Platz, hat sie bei einer Fährüberfahrt entdeckt. Ihre neuartigen Raumstudien zeigt sie nun in der von ihr mitbegründeten Produzentengalerie "en passant". Am 11.4. ab 19 Uhr wird sie dort von ihrer Arbeit erzählen. So ganz nebenbei hat Sabine Wild derzeit noch eine Ausstellung im Hauptstadtstudio der ARD.
http://berlin.prinz.de/kultur/kulturplaner/338792,1,EventSchedule,sabine-wild-fotografie.html
Mar.29th,2008
Galerienrundgang: Fotografien von Sabine Wild im ARD Hauptstadtstudio und in der Galerie en passant
rbb Kulturradio: Geschmacksache
Claudia Wheeler vom rbb Kulturradio interviewt im Rahmen ihrer Galerienrundgänge Sabine Wild in der Galerie en passant anlässlich ihrer aktuellen Ausstellung "Aufriss".
../downloads/aufriss_29_03_08_rbb.wma
Mar.18th,2008
Aufrisse
AVANTGARDE - Der Kunstblog
Die Berliner Galerie en passant präsentiert bis zum 26. April 2008 eine Ausstellung, die außerordentlich interessant ist. Dort stellt die Fotografin Sabine Wild unter dem Titel „Aufriss“ neue Arbeiten vor. Mit der Kamera war sie im urbanen Dschungel New Yorks unterwegs. Das alleine wäre noch nichts wirklich Interessantes, doch Wild verfremdet den Ausblick und legt so den wahren Charakter der Großstadt frei. Das klingt paradox, hat bei Wild aber Methode.

Wilds Bilder leben vor allem von zwei fotografisch-künstlerischen Mitteln: Zum einen arbeitet sie durch vertikale Kamerabewegungen mit Unschärfen, was die visuelle Verfügbarkeit und den Wiedererkenungswert erheblich behindert. So anonymisiert sie ihre Bilder, die sonst so lebhafte Metropole New York wird zur anonymen, menschenleeren Großstadtwüste in der nur die steinernen Monumente Bestand haben. Außerdem wird die Vertikale so extrem betont, Wolkenkratzer und Straßenschluchten erscheinen noch bedrohlicher.

Zum anderen überarbeitet Wild die Bilder so, dass die Unschärfe erhalten bleibt, gleichzeitig aber vertikale und horizontale Linien wie Rasterstrukturen klar hervortreten. Diese entstandenen Strukturen leuchten, vermiteln dem Bild Schärfe und Tiefe, obwohl das Auge diese Tiefe aufgrund der Unschärfe nicht wirklich erfassen kann. Verunsichert schaut man auf die Bilder und sucht Halt. Immer wieder tauchen hell leuchtende Farbräume auf.

In den Fotos entsteht durch den Wechsel von unscharfen dunklen Farbräumen und hellen leuchtenden Strukturen eine ungewöhnliche Spannung und ein besonderer Rhythmus. Diese fotografische Abstraktion ist ungewöhnlich und verleiht den Fotos eine fast schon malerische Bildwirkung.

Obwohl Menschen und Fahrzeuge fehlen, kommt beim Betrachter das Gefühl ungeheurer Dynamik und Geschwindigkeit auf. Fast scheint es so, als würde sie am Auge des Betrachters vorbeirauschen. Auch wenn außer der starren Architektur nichts auf den Bildern erscheint, assoziert man die Bilder sofort mit dem hektischen Großstadtleben. Weil Details fehlen, wirken die Bilder leicht und tranparent, sie scheinen zu lumineszieren.

Der Ausstellungstitel ist klug gewählt. Zum einen reißen die Bilder die sichtbare Oberfläche auf, sie sind aber auch „skizzenhafte“ Darstellungen von Gebäuden, genauso wie verkürzte Darstellungen von komplexen Zusammenhängen. So darf sich jeder Betrachter seinen eigenen Reim machen.

Wirklich schön, ich kann nur jedem einen Besuch der Galerie empfehlen. Einige von Sabine Wilds Arbeiten kann man auch über die Galerie Lumas erstehen. Neben den New Yorker Bildern sind auch die Serien Horizontale und Vertikale wirklich sehenswert. Mehr auf den Internetseiten der Künstlerin. Bis zum 18. April 2008 stellt Wild auch im ARD-Hauptstadtstudio aus.
http://blog.buelent-guenduez.de/2008/03/18/aufrisse/
Feb.05th,2008
Straße der Galerien
rbb Heimatjournal
Ein Beitrag von Silke Cölln

In der Brunnenstraße reihen sich die Galerien aneinander wie Perlen auf der Schnur: Etwa zwanzig solcher Kunstperlen findet man hier.

Dass gerade hier an den Wänden Fotos hängen hat eigentlich einen ganz simplen Grund:

Sebastian Klemmm, Galerie KLEMM`s:
"Als es vor zweieinhalb Jahren los ging, war die Gegend noch so, dass man einfach anfangen konnte - weil das noch unbeackerter Grund war. Wir hatten einfach die Möglichkeit, einen großen Raum für die Präsentation von junger Kunst zu finden."

Etwas Besonderes ist das Schnitzeljagdheftchen: alle Galerien haben vom selben Künstler ein Bild bei sich versteckt. Wo man suchen muss, steht in dem Heftchen. So wird man durch alle Galerien der Straße gelotst, denn die sehen sich nicht als Konkurrenz.

Rémy Mouton, Galerie en passant:

"Jede Galerie hat eine Identität - wir versuchen nicht das Gleiche wie der Nachbar zu machen. Und das klappt auch."

Die Galerien sind aber unterschiedlich organisiert. Zum Beispiel gibt es eine Produzentengalerie, dass heißt, die Künstler selbst haben den Raum gemietet, um ihre Kunst zu verkaufen. Den klassischen Galeristen gibt es dagegen in der Galerie ein paar Schritte weiter. Und eine Ausstellung mit nur einem Kunstobjekt namens "Irrlicht".

Julia Schneider, Galerie Martin Mertens:
"Bei Irrlicht ist es so, dass sich die Arbeit im Raum bewegt. Dadurch kann man verschiedene Blickwinkel beziehen und auch unterschiedliche Motive wahrnehmen."

Die nächste Galerie ist nun wieder ganz anders organisiert. Galerien haben ja eigentlich Websites, aber hier hat die Website eine Galerie. Und die zeigt gerade Werke aus dem Depot des namhaften Sammlers Erich Marx. Deshalb ist alles unverkäuflich.

Vlado Velkow,, Artnews Projects:
"Unser Konzept kann man in zwei Wörter fassen: überraschen und überzeugen. Wir bemühen uns, immer etwas Neues zu machen und wollen nicht nur uns selber, sondern selbstverständlich auch das Publikum überraschen."

Die Galeristen kennen sich alle. Einige sind auch befreundet und machen dann ihre Vernissage am selben Tag. Das letzte Mal kamen rund 400 Besucher.

Birgt Ostermeier, Galerie Birgit Ostermeier:
"Kunst gehört mittlerweile eigentlich schon zum kulturellen Programm eines normalen Mittebewohners - von den jungen Berlinern."

Die Kunstszene feiert sich zwar als hip und neu, aber in einer Wohnung im ersten Stock stellte Ekkehard Hellwich schon gleich nach dem Mauerfall ostdeutsche Kunst aus.

Ekkehard Hellwich, Ostdeutsche Kunstauktionen:
"Es wurde daraus ordentlich was gemacht, weil wir die Künstler alle kannten und die uns alle kannten. Das war der Ausgangspunkt für alles."

Seine Galerie ist heute nicht mehr hier, sondern wonaders in Berlin - immer noch erfolgreich. Unten in das Haus ist mittlerweile eine Galerie mit junger Kunst eingezogen.

Spätabends treffen sich viele der Galeristen in einer angesagten Bar in der Straße. Noch nicht da sind die aus der Galerie Foto Shop. Die feiern noch eben das Ende der aktuellen Ausstellung, und die Kunst, und irgendwie auch ihr Lebensgefühl in der Brunnenstraße.

Mike Riemel, Foto Shop: "Es ist eine sehr belebte Ecke. Es trifft sich hier der Arbeiter mit dem Agenturinhaber, Künstler mit "Proletarier aller Länder"".
http://www.rbb-online.de/_/fernsehen/magazine/beitrag_jsp/key=rbb_beitrag_7011985.html
Dec.21st,2007
"Galerie en passant": Anne Wodtcke geht in Sack und Tüten
Die Welt
Von Kim van Hook

Aha: "sculpture is (inter)action", das meint die Arbeiten von Anne Wodtcke. Die Künstlerin verwendet selbst gefaltete Papiertüten und ihren eigenen bzw. den Körper von Anderen, um experimentelle Performances aufzuführen. Diese sind in der Galerie auf einer Videoleinwand zu verfolgen.

Des Weiteren sind von Wodtcke inszenierte Interaktionen als Fotografien ausgestellt. So zeigt beispielsweise die Bilderreihe "elephantride" eine Person, welche mit Armen und Beinen in Papiertüten steckt und sich auf allen Vieren bewegt.

In den neun Teilen der Serie ist der Protagonist aus verschiedenen Richtungen in verschieden Positionen abgelichtet. So gibt es Ähnlichkeiten zu einem laufenden Elefanten. Eine andere Arbeit zeigt in der einen Hälfte einen auf einem Hocker sitzenden Menschen. Auch dieser hat eine Papiertüte über den Kopf gestülpt. Bei der zweiten Hälfte handelt es sich um das gleiche Bild - nur das hier der Mensch ausgeschnitten scheint. Ist das spannend? Die Preise reichen von 330 bis 4500 Euro.

Brunnenstraße 169; Di-Fr 14-18, Sa 12-16 Uhr. Bis 31.12.
../downloads/welt_wodtcke.pdf
Dec.20th,2007
"Kopfüber in die Tüte" von Tom Mustroph
Neues Deutschland
Brunnenstraße in Mitte mausert sich langsam zur neuen Kunstmeile

Was vor zehn Jahren noch Mitte ausmachte, wandert jetzt gen Norden. Eine junge Galerieszene hat die Ladenlokale der Brunnenstraße in Beschlag genommen. Anders als bei der Kunstepidemie Anfang der 90er in Mitte, als Galerien und Klubs Bäckereien und Gemüsegeschäfte verdrängten und eine artifizielle Monokultur kreierten, bleibt die dem Wedding zustrebende Brunnenstraße zumindest auf Trottoirhöhe durchmischt. Lebensmittelläden, ein Elektrogeschäft, eine Fahrschule, ja selbst die Agentur für Arbeit mit einem Existenzgründerbüro, ein Brettspielklub und eine Europaabgeordnete der SPD sind in der Häuserzeile zwischen Invalidenstraße und Bernauer Straße präsent. Immerhin jeder dritte Laden beherbergt eine Galerie.

Für das Ausrufen einer neuen Kunstmeile reicht die Ballung. Jung und frisch wie die Galerien selbst ist zum Teil auch die Kunst zwischen ihren weißen Wänden. Gegenwärtig sticht die Neuerfindung der Skulptur von der Künstlerin Anne Wodtcke in der Galerie en passant heraus. Wodtcke benutzt als skulpturales Element halbmenschengroße, aufrechte Papiertüten. Diese stülpt sie sich über den Kopf und erinnert damit an mythologische Sphinxen, Zentauren und andere Mischwesen.

Einen drolligen Elefanten kreiert sie, indem sie Arme und Beine in vier auf dem Boden stehende Tüten steckt. Aber auch dynamische Elemente formt sie, wenn sie etwa kopfüber in eine Tüte springt und weitere zerknautschte Tüten daneben stehen. Wie ein aus rätselhaften Buchstaben geformtes Wort wirkt diese Szenerie.

Fotos von Wodtckes Papiertüten-Performance sind bis 21. Dezember, Di-Fr, 14-18 Uhr, Sa 12 - 16 Uhr, in der Galerie en passant, Brunnenstr. 169, Mitte, zu besichtigen.
../downloads/neues_deutschland_wodtcke.pdf
Dec.19th,2007
"Die Tüte entdecken" von Florian Neuner
Junge Welt
Was tun mit den Einkauftstüten der Vorweihnachtszeit? In Berlin kann sich noch drei Tage lang bei der Künstlerin Anne Wodtcke Anregungen holen,

So wie einst beim Ruhrbergbau, kann man auch im Fall der Galerienszene in Berlins Mitte von einer Nordwanderung sprechen. Längst ist die magische Grenze der Torstraße überschritten, die Galerien schießen jetzt entlang der Brunnenstraße aus dem Boden, wo noch vor wenigen Jahren Leerstand dominierte in einem der letzten Teile von Mitte, in denen noch nicht alles hochglanzpoliert wurde. Diesseits dieser Grenze findet man nur noch Etabliertes und Teures, nördlich davon wird erfreulicherweise immer noch unermüdlich experimentiert.

Ob die Entwicklung vor dem ehemaligen Grenzstreifen haltmachen oder ob es darüber hinaus weitergehen wird in den Wedding, bleibt abzuwarten. Wer die Brunnenstraße zwischen den U-Bahnhöfen Rosenthaler Platz und Bernauer Straße entlangspaziert, der findet dort inzwischen an die 20 Galerien – darunter auch die Galerie en passant, eine Produzentengalerie, in der sich im Augenblick Anne Wodtcke präsentiert.

Wer während der Vernissage Ende November die Galerie betrat, der wurde schon im Schaufenster von einer seltsam kopflosen Gestalt begrüßt. Die in Berlin geborene und heute in München arbeitende Anne Wodtcke steckt sich und andere in braune Papiertüten. Mal verschwindet der Kopf in dem minimalistischen Papierobjekt, mal der ganze Oberkörper, mal steckt sie Hände und Füße in Tüten – dokumentiert in einer Fotoserie mit dem Titel »elefantenritt«; vor dem Hintergrund der Afrikaerfahrung der Künstlerin mehr als ein Gag am Rande. Neben einer Filmdokumentation der »performativen Intervention« am Eröffnungsabend zeigt Wodtcke in der Galerie en passant eben solche Fotoserien, aber auch die Tütenobjekte als solche, am Boden aufgestellt oder mit dem Boden an der Wand angebracht – eine Einladung zum Hineinschauen, zum sich in die Tüte Hineinbücken, auf deren Grund es mitunter Text zu entdecken gibt.

Es sind aber weniger diese in der Ausstellungssituation stillgestellten Bilder und Resultate, die Wodtcke interessieren, sondern die dahinterliegenden Prozesse. »Fertige« Werke bietet sie nicht an; nicht umsonst ist die Berliner Ausstellung »sculpture is (inter)action« betitelt. Und das meint nicht nur, daß die Künstlerin mit ihren Skulpturen auch als Performerin auftritt, sondern zielt ebenso auf eine Einbeziehung des Publikums in ihre »skulpturalen Handlungen«: Mit der Edition »SKULPTUR.sein« sollen die Betrachter an dem Spiel beteiligt werden. Die Käufer erhalten Plastiktüten mit Vorschlägen von Anne Wodtcke, wie sie damit in Aktion treten können. Ein beigegebener Fotoapparat schließlich fordert die Mitspieler dazu auf, es der Künstlerin gleichzutun und das eigene Performieren auf Bildern zu dokumentieren, die die Künstlerin dann veröffentlichen will.

Die Arbeiten von Anne Wodtcke beziehen ihre Spannung daraus, daß hier der Minimalismus der Tütenskulpturen in ein Spannungsverhältnis tritt zum menschlichen Körper. Es handelt sich nicht um den oft gesehenen, meist doch recht risikolosen Minimal-Schick einer Puristin, sondern um eine »Rückführung der Skulptur ins Menschliche«, wie Susanne Prinz es auf der Website der Künstlerin ausdrückt, die auch von einer »Versöhnungsleistung« zwischen Minimal und Körper spricht. Wodtcke erreicht das mit einfachsten Mitteln, den vollkommen schmucklosen Tüten aus braunem Packpapier und eben den Körpern, die mit diesen Objekten in Interaktion treten. Die Tüte ist so nicht nur ein metaphorisch aufgeladenes Symbol der Konsumgesellschaft, durch die skulpturalen Experimente entsteht ein komplexes Spiel aus Maskieren und Enthüllen, Innen und Außen (»in-out« heißt nicht zufällig eine Arbeit) – für den Mitspieler auch als Selbsterfahrung. Die Performance zur Eröffnung der Ausstellung in der Brunnenstraße hatte Wodtcke »all you can see = all you can’t see« betitelt.

Noch bis zum 21. Dezember in der Galerie en passant in der Brunnenstraße 169, Berlin-Mitte,
Di - Fr von 14-18 Uhr, Sa von 12 - 16 Uhr geöffnet

../downloads/jungewelt_tuete.pdf
Nov.23rd,2007
Anne Wodtcke | Sculpture is (inter)action | galerie en passant | 11/07
Berliner Kunstkontakter :: mobil, modern, metropolitan ART TV
Der Berliner Kunstkontakter Konstantin Schneider besuchte
mit seiner Helmkamera die Vernissage von Anne Wodtcke in der Galerie en passant.

Mit
- Rundgang durch die Räume,
- Impressionen der Fotografien von vergangenen skulpturalen Handlungen,
- Interview mit Anne Wodtcke.
http://www.berlinerkunstkontakter.de/enpassant23112007.htm#
Oct.16th,2007
Oma spielt Bingo
Berliner Zeitung - Feuilleton
Dorothea Schutsch ist eine genaue Beobachterin: Die Malerin sah bei einem Aufenthalt am Mittelmeer zufällig einer Gruppe älterer Frauen beim wöchentlichen Bingo-Spiel zu. Es entstanden viele Bilder, alle aus der Vogelperspektive. Die Konzentration jeder einzelnen Figur, Veränderungen der Konstellationen zueinander und die Reaktionen beim Verlieren und Gewinnen sind malerisches Thema.

Galerie en Passant
Brunnenstraße 169 14-18 Uhr
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2007/1016/feuilleton/0148/index.html
Oct.01st,2007
Berlin und Barcelona in Schwarz-Weiß
Berliner Akzente 10>11>12>2007
Berlin und die spanisch-katalanische Metropole Barcelona sind zwei sich atemberaubend schnell verändernde Städte. Ihre städtebaulichen Glanzlichter hat der Charlottenburger Künstler und Architekt Matthias Hagemann mit seiner „Boxocam“, einer selbst gebauten Lochkamera, in Szene gesetzt und für den Kalender „Camera Obscura Barcelona – Berlin 2008“ zusammengestellt.

In dem aufwändig produzierten Kunstkalender finden sich ungewöhnliche Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Orten wie dem Berliner Hauptbahnhof, dem Potsdamer Platz und der Sagrada Familia von Gaudí in Barcelona. Matthias Hagemann macht mit seiner Lochkamera architektonische Prunkstücke beider Städte sichtbar, die dem alltäglichen und schnellen Blick ihrer Betrachter fast immer entgehen.

„Das Starre, das Bewegliche, die Pflasterung, das Vorbeirauschende, all das nimmt meine Kamera klarer wahr als das menschliche Auge“, sagt der 39-Jährige. Dabei hat sein Fotoapparat kaum Ähnlichkeit mit einer herkömmlichen Kamera. Seine „Boxocam“ ist eine einfache silberfarbene Box in der Größe eines Schuhkartons mit einem winzigen Loch – ohne Objektiv, Linse und Sucher.

Der Kalender „Camera Obscura Barcelona – Berlin 2008“ im Format 30x42 Zentimeter kostet 20 Euro. Er kann von Oktober an online über Boxocam bestellt werden und ist auch in der Galerie „en passant“, Brunnenstraße 169 in Mitte, erhältlich. Vom 26. Oktober bis 17. November stellt die Galerie „en passant“ bisher unveröffentlichte Bilder von Matthias Hagemann in der Ausstellung „Still und laut“ aus.
http://www.berliner-akzente.de/stadt_szene/leben_geniessen/kurzmeldungen.html#k85015
Sep.13th,2007
Per Zufall zum Kunstobjekt
Mainzer Allgemeine Zeitung
Von Johannes Crilly

Der Guntersblumer Kulturverein präsentiert im Museum die Werke des Fotografen Jörg Schmiedekind und der digitalen Prozesskunst von Rémy Mouton. Zur Eröffnung waren beide Künstler vor Ort, um ihre Werke vorzustellen.

"Mein Interesse galt immer der Architektur und den Räumen mit Spuren menschlicher Präsenz. Wenn ich beim Fotografieren durch einen Park gehe, dann mache ich keine Bilder von schönen Blumen oder Bäumen, sondern eher von einem alten verrosteten Schild", erklärte Jörg Schmiedekind vor der Kulisse seiner ausgestellten Bilder. Der gebürtige Ludwigshafener eröffnete zusammen mit seinem Künstlerkollegen Rémy Mouton am Wochenende seine Ausstellung "Stattmenschen".
Der gelernte Architekt fotografierte anfänglich nur, um Vorlagen für sein fotorealistisches Hobby der Malerei zu erstellen. Bei seinen architektonischen Motiven empfand er oft die ständige Präsenz kleiner Objekte als störend. "Autos, Menschen, Bauzäune oder Plakatwände - als Fotograf scheine ich ständig etwas im Weg zu haben bei meiner Arbeit", erzählte Schmiedekind während der Vernissage. "Irgendwann habe ich dann entschieden, diese Motive künstlerisch mit einzufassen. Seitdem fühle ich mich freier und kann entspannter arbeiten." Von Bauzäunen bis zu Litfasssäulen - die Dinge, die sonst stören im Fokus auf das Hauptmotiv, hat Schmiedekind derart gekonnt in Bilder eingefasst, dass der Eindruck entsteht, er habe sie digital eingearbeitet. Er versicherte jedoch: "Alle Objekte waren bereits vor Ort, als ich auf den Auslöser drückte."

Die Parallelausstellung "Lebewesen" besteht aus digitaler Prozesskunst von Rémy Mouton. Der gebürtige Franzose lebt und arbeitet in Berlin. In einer abstrakten Welt von Zufallsgeneratoren, Formeln und Programmiersprachen lässt der gelernte Informatiker Mouton den Computer Schmetterlinge, Wälder oder Lianenvorhänge berechnen und anzeigen. Die weiße Decke des Gewölbekellers unter dem Museum dient dabei als riesige Projektionsfläche.
"Die Gebilde werden aus verschachtelten Zufallsfunktionen berechnet", erklärt Mouton mit dem Hauch eines französischen Akzents. "Ich gebe dem Programm Formeln für bestimmte Bestandteile der Darstellung vor. Die Werte der Formel, die Platzierung auf dem Bildschirm und etliche andere Aspekte werden von Zufallsgeneratoren bestimmt, die ich ebenfalls erschaffen habe."
Die natürlichen Motive mit abstrakten Formationen und Bewegungsabläufen, die daraus entstehen, erinnern an einen sehr künstlerischen und angenehmen Bildschirmschoner.
http://www.allgemeine-zeitung.de/region/objekt.php3?artikel_id=2967016
Aug.08th,2007
Kultur: Franzosen in Berlin - Rémy Mouton
Inforadio
Inforadio hat am 08.08.2007 im Programm "Kultur", in der Reihe "Franzosen in Berlin", ein Interview von Rémy Mouton gesendet.
../downloads/JyrgenBuchKulturFranzosenInBerlin.mp3
Jul.01st,2007
Jörg Schmiedekind: »stattmenschen«
brennpunkt - Magazin für Fotografie 3/2007
von Dietmar Bührer

Jörg Schmiedekind hat sich auf die Fotografie von Stadträumen spezialisiert. Jenseits touristischer Schnappschüsse und gefälliger Postkartenmotive widmet er sich Stadträumen, die in der Regel als nicht beachtenswert gelten. Dabei werden alle als fotografisch störend empfundenen Zutaten wie Leuchten, Schilder und Stadtmöbel bewusst in die Bilder integriert. Im Deckmantel der Dokumentation werden so Stadträume inklusive ihres zivilisationstechnischen
Gerümpels inszeniert.
Die Serie stattmenschen thematisiert die sich im Stadtbild zunehmend ausbreitenden Werbeplakate. Der plakativ überzeichneten Werbewelt wird ihr banaler Alltagshintergrund durch die Wahl des Bildausschnittes 1 zu 1 gegenübergestellt. Die so entstehenden Doppelbilder kokettieren mit der aus dieser formalen Gleichwertigkeit resultierenden Irritation.
Die Plakat-Auswahl konzentriert sich auf Menschenbildnisse; hier ist die Inszenierung besonders deutlich und der Betrachter erliegt dem Reflex, einen Bezug zum Gesamtbild herstellen zu wollen. Einerseits präsentiert sich die Werbewelt bedeutsam - andererseits offenbart sie im Dialog mit der Alltagswelt ihre Bedeutungslosigkeit.Die Werbebilder sind erdacht und konstruiert; hier treten sie als Teil der Alltagswelt dieser selbst gegenüber. Die formale Gleichberechtigung ist dabei keine Botschaft, sondern eine Einladung zum Spekulieren über Sinn und Unsinn, gut und schlecht, echt und falsch. In jedem Fall aber bieten die mehr oder weniger absurden Kombinationen aus der Stadtraum-Realität kurzweilige voyeuristische Unterhaltung.

(Brennpunkt-Magazin S. 18)
../downloads/brennpunkt_Schmiedekind.pdf
Jun.29th,2007
Jörg Schmiedekind: Der schöne Schein
U_magazine 08/07

Die Innenstädte sind vollgestellt mit Werbeplakaten. Jörg Schmiedekind zeigt in seiner Fotoserie „Stadtmenschen“, wie’s dahinter aussieht.

von Falk Schreiber

Die Architektur der Stadt ist nicht mehr unschuldig. Sie ist benutzt, als Bühne für Selbstdarsteller, für Werbung, sie ist eine ästhetisch deformierte Landschaft. Der Stadtraum wird verkauft, verramscht an Werbetreibende, die ihn vollstellen mit Litfaßsäulen, Mega-Light-Boards, Plakatvitrinen.

Jörg Schmiedekind interessierte sich lange Zeit nicht für solch ästhetisch beeinträchtigte Strukturen. Der 44-Jährige ist studierter Architekt, sein eigentliches Metier ist die Architekturfotografie. Die abgedruckte Serie „Stadtmenschen“ setzt da an, koppelt alltägliche Stadtszenen mit dem Blick auf Werbewände: „Mein Anspruch war ursprünglich, Dinge idealtypisch zu fotografieren“, erzählt Schmiedekind, „aber da steht einem immer dieses ganze Gerümpel an Stadtmöblierung im Weg.“ Und so zeigen die Bilder einen eiligen Reisenden hinter luxuriösem Verführungsambiente,eine umzäunte Parkfläche hinter einer exzessiven Tanzszene, einen geschäftigen Bahnhof hinter Dessous. Auffallend ist dabei, wie häufig Werbeplakate mit Reizeffekten von Sexualität und Exzess arbeiten, während die korrespondierende Alltäglichkeit nun gar nichts Exzessives, Sexgeladenes hat.

Kann man darin einen politischen Impuls sehen, etwa eine Kritik an der Werbewelt, die uns Glamour vorspielt, wo unser Alltag grundsätzlich unglamourös wirkt? Schmiedekind verneint ein bewusstes Vorgehen, sieht den Effekt aber auch. „Die Serie hat sich spielerisch entwickelt. Das war am Anfang vor anderthalb Jahren mehr ein Zufallsergebnis, und das hat dann ein Eigenleben entwickelt.“ Und dieses Eigenleben bildet die inhaltliche Ebene der „Stadtmenschen“: „Dieser Gegensatz von der glamourösen, hochgestylten Werbewelt und der recht banalen, einfachen Alltagswelt, das ist eigentlich der Reiz bei der Sache.“

Reine Kopplungen unterschiedlicher Motive findet man in „Stadtmenschen“ nicht, die zitierten Werbebilder bleiben erkenntlich als Teil der Stadtmöblierung: Die Plakatwände haben Kratzer, sind von Regentropfen benetzt, bilden Lichtspiegelungen.
Jörg Schmiedekind bildet so weiterhin die Architektur und die ästhetische Struktur einer Stadt ab, nur sieht die in Zeiten des Werbeoverkills anders aus als früher.

Deutlich wird das, wenn man sich Schmiedekinds Biografie anschaut: Schon in den 80ern fotografierte er in seiner Heimatstadt Ludwigshafen, dem Paradebeispiel einer zweckgebundenen Nachkriegsmoderne. Die damaligen Aufnahmen zeigen: Autoschneisen, Hafenbecken, Stadtmöbel in Form von Verkehrsschildern. Eine bewusst ästhetische Formung des Stadtbilds sieht man allerdings nicht, die fand Schmiedekind erst in Berlin, wo er 1984 zum Studium hingezogen war und bis heute lebt. Überspitzt kann man das Berlin der „Stadtmenschen“ als glamouröse Antithese zum schmucklosen Ludwigshafen der 80er interpretieren: Hier die dreckige, verbaute, aber auch ehrliche Arbeiterstadt, dort das gehypte, bunte Berlin des 21. Jahrhunderts. Aber die bunte Anmutung ist nur schöner Schein, hinter den glamourösen Werbeplakaten sieht auch Berlin grau in grau aus: wie Ludwigshafen, nur ohne Jobs.
Artikel im Zoom von U_mag, 08/07
umag_0807zoom.pdf
May.21st,2007
Liebestoll im Zuckerwald - Norman Sandler lud zur Performance
Märkische Allgemeine
BERLIN/HENNIGDSDORF Das letzte Bild: Zwei weiß kostümierte Gestalten schreiten unter einer großen Blumendecke über die verkehrsumtoste Brunnenstraße in Berlin. Aus ihren Gewändern rieselt Zucker, in denen die Füße verwehte Spuren hinterlassen. Kitschiger hätte die Picknick-Performance kaum enden können. Witziger auch nicht.

"Das Picknick – reloaded II" hieß die Performance, zu der der in Hennigsdorf geborene Künstler Norman Sandler und seine Kollegin Sandra Becker am Freitag in der Berliner Galerie "En passant" geladen hatten. Ein pompöses und durchaus ironisches Arrangement, das mit allen Sehnsüchten nach trauter Zweisamkeit im Grünen spielte.

Vogelgezwitscher tönt vom Band, als Sandler und Becker eine Picknick-Decke auf dem Boden der Galerie ausbreiten. Auf ihren Köpfen tragen die beiden riesige Schaumstoffhüte, die mit kreischendbunten Zuckerwatte-Bällchen gespickt sind. Versunken glotzt sich das Paar in die Augen. Unaufhörlich spinnt Sandler über einer Zuckerwattemaschine dünne rosa Fäden, bis seine Hände völlig von der zuckrigen Masse überzogen sind. Als das Paar beginnt, sich die Zuckerwatte vom Kopf zu klauben, werden im Publikum die ersten Lacher laut. Zwischen all der bunten Zuckerwatte ist plötzlich ein weißes Papiervögelchen sichtbar. So viel Kitsch hält keiner aus.

Wunderbar überzogen auch die Geräusche, die unablässig vom Band dröhnen. Nach dem Vogelgezwitscher rauscht der Regen. Später wüten Tiere durch das Unterholz. Gepaart mit dem statischen Spiel der beiden ist das herrlich absurd.

Sandlers und Beckers Performance ist Teil der Ausstellung "Diverses, poetische Affekte und Meterware", in der der 25-Jährige bis 27. Mai eine Auswahl seiner Collagen zeigt. Zu sehen sind Sandlers ganz persönliche Wirklichkeitsversionen – zusammengesetzt aus Blümchendekoren, Zeitungsschnipseln und Bauanleitungen. Ironisch und überraschend. fh

"Diverses, poetische Affekte und Meterware" in der Galerie "en passant", Brunnenstraße 169, Berlin-Mitte, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, sonnabends zwischen 12 und 16 Uhr.
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10935666/61129/#
May.08th,2007
Vom Graffito zur reinen Liebe. Keine Meterware: Norman Sandlers Kunst ist Kommentar zur Realität ohne Kommentar
Märkische Allgemeine
von KAREN GRUNOW

HENNIGSDORF/BERLIN
Er ironisiert, durchaus, wenn er die bekannten Kippencowboys über griechischen Plastiken in die Weiten der Prärie entschwinden lässt. "Assoziatives Flanieren" nennt Sandler seine reflexiven Bilder, von denen er einige momentan mitten in einem der derzeit angesagtesten Kunstkieze der Hauptstadt, in der Brunnenstraße, zeigt. Zur Vernissage kamen Freunde und Familie auch aus Hennigsdorf, angelockt von der funkigen Musik des Chad-Schwengler-Trios verirrten sich auch trendige Mitte-Berliner in die junge Galerie "en passant".

Norman Sandler selbst wohnt derzeit in Bremen. Noch. Ende des Jahres will er sein Diplom als Kunsttherapeut haben, dann zieht es ihn wohl eher wieder in die alte Heimat. Schon als Schüler entwarf er in Hennigsdorf – als Auftragsarbeiten – Graffiti. Heute ist "Street Art" für ihn kein wirkliches Thema mehr: Sein künstlerisches Denken und Handeln sei stark von seinem Studium beeinflusst, sagt er. So wie Norman Sandler bei der Arbeit mit anderen Kreativen in den Ruinen einer zerbombten Schule in Kroatien die Vernetzung sucht, auch mit der rauen Wirklichkeit, so vernetzt er künstlerische Mittel und Strukturen. Zur Vernissage gehört für ihn nicht nur der obligate Sekt, sondern auch Clemens Sebastians alias Holger Spenglers alias Chad Schwenglers Lobrede: "Normans Bilder sind reine Liebe." Die Menge johlt. Vom Sandler-Norman und dessen Sandler-Normen fabuliert der hagere Fliegenträger, bevor er mit wilder Perücke den Trash-Gitarristen gibt. Als Teil eines Sandler-Universums, zu dem auch "Das Picknick – reloaded II", eine für den 18. Mai geplante Performance mit Künstlerkollegin Sandra Becker, gehört. Sandler verrät nur soviel: Gezeigt werden soll, was er für gewöhnlich auf die Leinwand bringt.

"Ich reflektiere die Welt auf einer tief emotionalen, subjektiven Ebene", sagt er locker dahin. Titel dienen ihm nicht als Erklärung, "höchstens als Erweiterung der Bilder". Mit dem "Selbstporträt – Meterware" scheint der 25-Jährige das (eigene?) serielle Reproduzieren typischer Charaktereigenheiten zu kommentieren. Für die Mischtechnik auf Baumwollgewebe hat er vielfache Fotografien von sich selbst durchgepaust und kombiniert. "Ich lebe mit den Bildern", sagt er. Was er zu schaffen beginnt, wächst mit der Zeit. So entwickelt er mehrere Werke parallel, sammelt visuelle Zitate, setzt Blümchendekore und Schweinchenschablonen zu persönlichen Wirklichkeitsvisionen zusammen.

Für ihn ist die Ausstellung die erste als Solokünstler. Die Galerie "en passant" ist eine Produzentengalerie. Norman Sandler teilt sich für rund zwei Jahre die Räume mit elf weiteren Künstlern. "Wir haben einstimmig für ihn entschieden", erzählt Sabine Wild, Fotografin und eine der beiden Initiatorinnen der Galerie "en passant", von ihrem "demokratischen Künstlerforum". Kann also gut passieren, dass Norman Sandler über die aktuelle Ausstellung hinaus ab und an hier ziemlich präsent sein wird.

"Diverses, poetische Affekte und Meterware" ist bis zum 27. Mai in der Galerie "en passant" (Brunnenstraße 169, Berlin-Mitte) zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie an Sonnabenden zwischen 12 und 16 Uhr. Weitere Informationen unter www.galerie-enpassant.de

http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10925544/61129/
Apr.05th,2007
Sabine Wild | fragile welten | galerie enpassant | 04/07
Berliner Kunstkontakter :: mobil, modern, metropolitan ART TV
Der Berliner Kunstkontakter Konstantin Schneider besuchte
mit seiner Helmkamera die Galerie en passant am Tag ihrer Eröffnung.

Mit
- Rundgang durch die Räume,
- Impressionen der Fotografien von Sabine Wild,
- Interview mit Matthias Hagemann.

Windows Media Video (WMV) 1:19 min
http://www.berlinerkunstkontakter.de/enpassant05042007.wmv
Sep.02nd,2006
Steiniger Weg zum Ruhm
Die Welt
Produzentengalerien und die Vermarktung im Internet eröffnen jungen Künstlern neue Möglichkeiten. Käufer können bei dieser Kunstvermittlung Geld sparen.

Von Dirk Engelhardt

"Wir bekommen pro Woche rund zehn Anfragen von jungen, unbekannten Künstlern, die händeringend nach Ausstellungsmöglichkeiten für ihre Werke nachsuchen", berichtet Carola Hartlieb vom Kunst-Onlinemagazin art-in-berlin.de. Das Magazin selbst vermittelt jedoch keine solchen Möglichkeiten.

"Es ist unendlich schwierig für einen unbekannten Künstler, bei einer etablierten Galerie auszustellen", sagt Hartlieb. Sie rät Künstlern, sich gut über die Galerieszene zu informieren und Galeristen "bloß nicht anzurufen". Ein persönlicher Besuch sei eher zu empfehlen, wobei jedoch nie Originale mitzubringen seien. Besser seien CDs oder Foto-Abzüge der Werke. Ein Empfehlungsschreiben einer Hochschule sei immer gut, ebenfalls Empfehlungen von bekannten Künstlerfreunden. Relativ gute Chancen bieten sich bei den diversen Künstlerförderungen, die Bezirksämter oder Stadtverwaltungen durchführen. Auch in Kneipen oder Zahnarztpraxen auszustellen, könne sich im Einzelfall durchaus lohnen, so Hartlieb. Dort würden mehr Bilder verkauft, als sich ein Außenstehender es vorstellen kann.
"Wir haben die Galerie 1998 zusammen mit Meisterschülern der Kunstakademie Düsseldorf gegründet", erzählt Peter Clouth, Betreiber der Produzentengalerie Plan D. Im Jahr laufen hier 13 bis 14 Ausstellungen, längst nicht mehr nur mit Werken der Galeriegründer. Clouth: "Es hat sich dahin entwickelt, Künstler einzuladen, denn den Besuchern werden immer nur die gleichen Aussteller auf Dauer langweilig". 85 Prozent der Aussteller kommen nicht aus Düsseldorf, sondern von außerhalb, denn eingesessene Düsseldorfer Künstler haben genug anderweitige Möglichkeiten, ihre Werke dem Publikum nahe zu bringen.
Junge, unbekannte Künstler sprechen die Galerie des Öfteren an, um Möglichkeiten zur Ausstellung zu erfragen. Dabei spielt natürlich die Galeristenmarge, die bei der Produzentengalerie um einiges niedriger liegt als bei normalen Galerien, eine Rolle. Während normale Galerien zwischen 40 und 80 Prozent des erzielten Preises als Kommission einbehalten, kommt die Produzentengalerie mit wesentlich weniger aus.

Dafür erhalten die Künstler auch keine kontinuierliche Betreuung, was einige von ihnen sehr schätzen, besonders, wenn es sich um Künstler aus dem Ausland handelt. Außerdem seien Produzentengalerien nicht so sehr auf ein bestimmtes Genre festgelegt. Hier eröffnet sich gerade für unbekannte Künstler ein weites Experimentierfeld. Kommerz steht nicht im Vordergrund, sondern eher das sinnliche Erleben von Kunst. Obwohl Clouth in den letzten Jahren einen Rückgang erlebte, was den Verkauf von Kunstwerken anging, zieht die Galerie demnächst in größere Räume. "Wir sind hoffnungsvoll", beschreibt der Galeriechef seine Erwartungen.
In Berlin gibt es bei einer Gesamtzahl von rund 400 Galerien rund 50 Produzentengalerien. Die bekannteren heißen Kunstfaktor, Labor 19, Diskus oder Galerie En Passant. Frank Benno Junghanns (41) betreibt die Produzentengalerie Kunstfaktor seit 1997. "In unserem Atelierhaus wurden im Vorderhaus Räume frei, die wir günstig bekommen konnten". Für rund 400 Quadratmeter verlangte der Vermieter 500 Euro Miete. Jetzt ist es allerdings vorbei mit dem günstigen Galerieprojekt, und Junghans schwant schon, dass er solch günstige Räume in zentraler Berliner Lage nicht mehr bekommen wird. "Jetzt wird die Internetseite und der E-Mail Verteiler viel wichtiger", so Junghans. Ihm schwebt eine Zwischennutzung von Räumen vor oder eine mobile Galerie.
Seit 1995 gibt es im Berliner Stadtteil Weißensee die Produzentengalerie Labor19, die eigene Räume besitzt und deshalb keine Miete zahlen muss. Institutionelle Förderung erhält die Galerie nur ab und zu und in kleinem Ausmaß, etwa vom Kulturamt Pankow. "Die Galerie ist zudem etwas abgelegen, deshalb öffnen wir nur nach Absprache für den jeweiligen Interessenten", sagt Nicola Mueller, Fotografin und Mitglied der Produzentengalerie.

Die Mischung der rund sechs Künstler variiert, vertreten sind so unterschiedliche Gattungen wie Malerei, Fotografie, Grafik und Zeichnung. Trotz der großen Zahl der Galerien und Produzentengalerien in Berlin schätzt Mueller es als schwierig für unbekannte Künstler ein, eigene Werke auszustellen. "Das geht nur mit entsprechenden Kontakten". Woher man die nimmt und wie sie zustande kommen, kann Mueller allerdings auch nicht sagen.
Parallel zur Suche nach geeigneten Galerien bietet es sich für unbekannte Künstler an, Kunstmagazine für sich zu begeistern. Große Magazine wie Art oder Monopol, aber auch kleinere Titel verfügen über eine zielgruppengenaue Leserschaft. "Sehr viele Künstler wenden sich mit ihren Bildern an uns, und wir schauen uns auch jede Einsendung genau an", sagt Ingolf Kern, Textchef des Magazins "Monopol". Gerade habe das Magazin die Rubrik "Watchlist" modifizieren müssen, um künftig mehr interessante und junge Künstlerinnen und Künstler vorstellen zu können. "In Zukunft streben wir eine Kooperation mit Kunsthochschulen in Deutschland an", sagt Kern.
Auf den Vermarktungsweg Internet setzt die Berliner Künstlerin Treisuda Konggann dagegen. Sie eröffnete im letzten Jahr die virtuelle Galerie www.surfpainting.com, um befreundeten Künstlern die Chance zu geben, ihre Werke direkt zu vermarkten. "Die Kunstwerke sind gedacht für ganz normale Endverbraucher, die die Bilder in ihre Wohnung hängen wollen, aber auch Restaurants oder Hotels." Die Preise bewegen sich bis rund 1000 Euro, pro Monat verkauft Konggann dabei mehr als zehn Werke. Die Bilder haben Festpreise, sind aber im Einzelfall verhandelbar. Konggann: "Mein Ziel ist es, Kunden zur Direktbestellung per Internet zu bewegen". So spart sich die Kunstvermittlung teure Galerieräume und kann so wesentlich günstiger als herkömmliche Galerien kalkulieren.
http://www.welt.de/print-welt/article149517/Steiniger_Weg_zum_Ruhm.html
May.02nd,2006
Charlottenburgs erste Produzentengalerie
AVIVA
Die Galeristinnen Christine Keruth, Ono Ludwig, Sabine Wild finden für "en passant" ein neues Domizil in der Mommsenstraße. Arbeiten von Uschi Krempel, Lothar Maier, Rémy Mouton, Jörg Schmiedekind

Am 6. Mai 2006 feiern sie ihre nächste Vernissage mit drei neuen GastkünstlerInnen in den ehemaligen Räumen des benachbarten Fahrradladens "FNC" in der Mommsenstraße 35.

Tür an Tür mit der Galerie Michael Schultz freuen sich die Galeristinnen Christine Keruth, Ono Ludwig und Sabine Wild über diese Nachbarschaft. Ihre Eröffnungen möchten sie, wenn möglich, zeitgleich legen, denn vom "Galeriehopping" profitieren alle Beteiligten: die Gäste wie die GaleristInnen selbst, deren Stammkundschaft sich fröhlich mischt.

Uschi Krempel (Druckgrafik), Lothar Maier + Rémy Mouton ("DiGiMö") und Jörg Schmiedekind (Fotografie) sind die aktuellen GastkünstlerInnen en passants:

Druckgrafik ist für Uschi Krempel eine Technik zur freien, abstrakten Improvisation mit Farbe und Strukturen. Jenseits des Gegenständlichen lässt sie abstrakte, kraftvolle Kompositionen entstehen - aus dem Zusammenspiel von Fläche, Struktur und Linie. Die intensive Beschäftigung mit Druckgrafiken begann für Uschi Krempel parallel zu ihrer Auseinandersetzung mit den realistischen, gegenstandsbezogenen Objekten der Architektur.
Weitere Infos: www.u-krempel.de

Das DiGiMö von Lothar Maier + Rémy Mouton ist eine Plattform zur Präsentation digitaler Prozesskunst. Es ist sozusagen die Bühne zur Aufführung dieser digitalen Kunstform. Es macht - ganz bewusst - das Innenleben eines Computers bzw. des Bildschirms sichtbar.
Was ist digitale Prozesskunst? Digitale Prozesskunst ist keine fixierte Darstellung. Sie ist eine immer wieder neue - noch nie da gewesene - Umsetzung ihrer vielen möglichen Realisierungen. Das Ergebnis ist eine sich immer nur Ähnelnde, aber nie genau gleiche Visualisierung des Programmiercodes. Die Umsetzung des Sourcecodes in seinen visuellen oder auch auditiven Nuancen ist praktisch unerschöpflich.
Weitere Infos: www.maier-lothar.de/digimoe

In Berlin wird viel fotografiert - vom klassischen Postkartenmotiv bis zum Touristen-Schnappschuss. Jörg Schmiedekind interessiert weder das eine, noch das andere. Stattdessen geht es um die Darstellung alltäglicher Orte und ihrer Brüche - in städtebaulicher, architektonischer sowie geschichtlicher Hinsicht. Die Aufnahmen Jörg Schmiedekinds sind bewusst menschenleer, um den Blick auf die Bebauung und die von ihr geschaffenen Stadträume inklusive deren Möblierung zu konzentrieren.
Weitere Infos: www.schmiedekind-fotografie.de

Die Vernissage findet am Samstag, 06. Mai 2006 um 19 Uhr statt.
Uschi Krempel Druckgrafik, Lothar Maier + Rémy Mouton DiGiMö, Jörg Schmiedekind Fotografie
6. bis 30. Mai 2006
http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Kultur.php?id=8183
Apr.07th,2006
Bewegte Kunst - Charlottenburgs erste Produzentengalerie sucht gerade wieder ein neues Quartier
Tagesspiegel
Eine „Galerie auf Wanderschaft“ nennt die Fotografin Sabine Wild die von ihr mitgegründete Produzentengalerie „En Passant“. Kaum hatten sich die Künstler an ihr im Dezember bezogenes Quartier in der Uhlandstraße gewöhnt, da mussten sie es schon wieder räumen. Der Hauseigentümer will die Räume neu vermieten. Seit März läuft deshalb die Suche nach einem neuen Standort.

Das Konzept der Produzentengalerie ist, dass sie direkt von mehreren Künstlern betrieben wird. „In Charlottenburg gab es das so bisher nicht“, sagt Sabine Wild. Für das Galerieprojekt tat sie sich mit der Malerin Christine Keruth und dem Fotografen Ono Ludwig zusammen. Das Vorbild sind Produzentengalerien anderer Künstler, die sich in Mitte und anderen Berliner Bezirken bewährt haben. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und die ,Wanderschaft‘ zum Konzept erhoben“, sagt Sabine Wild. Eine hohe Miete für einen dauerhaften Standort könne man nicht aufbringen, es werde wohl bei der Zwischennutzung leerer Geschäftsräume bleiben.

In der Uhlandstraße wurden Gemälde und Fotografien gezeigt, künftig sollen Skulpturen hinzukommen. Die drei Künstler wollen ihre Galerie abwechselnd zu den gleichen Öffnungszeiten betreuen wie bisher. Die Werke seien um bis zu 50 Prozent günstiger als in anderen Galerien zu haben, betont die Mitbetreiberin Christine Keruth: In der Uhlandstraße gab es ein kleines Gemälde schon für 80 Euro, das teuerste kostete 2100 Euro.
http://www.rundumskarree.de/Charlottenburg-Wilmersdorf/archiv/07.04.2006/2402250.asp